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Das kollektive Tagebuch

 


Ein Kollektiv ist eine Gruppe von Menschen, die durch eine bestimmte Aufgabe, ein gemeinsames Ziel, zusammenwirken, ohne dabei ihre Individualität aufzugeben. Das kann auch freiwillig geschehen, wenn gleiche Voraussetzungen zugrunde liegen. Das heißt, ein jeder Teilnehmer der Gruppe ist - in unserem Fall - am Tagebuchschreiben interessiert.

Dieses sog. Kollektiv muss sich gar nicht einmal kennen, wenn es von einem Moderator zusammengeführt wird. Es ist auch nicht notwendig, für das kollektive Tagebuch, Menschen gleicher Sprache, gleicher Örtlichkeit, gleicher Generation usw. zusammen zu bringen. Je unterschiedlicher, je weiter, je differenzierter wird das Kollektiv-Tagebuch und gewinnt an Aussagekraft, eben durch diese Vielfalt.

Das Einzige, was das kollektive Tagebuch braucht, ist ein gemeinsamer Zeitabschnitt, der sich von mehreren Tagen bis auf einen bestimmten Tag beziehen kann und sollte. Das ist die einzige Vorgabe, die den kollektiven Tagebuchschreibern mit auf den Weg gegeben wird.

Und mit diesen Vorgaben kann auf vielfältige Weise gearbeitet werden.

Hierzu einige Möglichkeiten:

Man kann ein Ereignis wählen, dass Bedeutung für die ganze Menschheit hat(te), also einen symbolischen Charakter trägt.
Das sind z. B.:

• der atomare Supergau in Tschernobyl

• der atomare Supergau in Fukushima

• der 11. September-Angriff auf die Twin Towers in New York

• der Zusammenbruch des sozialistischen Lagers im November 1989

• die erste Mondlandung 

• der Abwurf der erste Atombombe in Japan

• u. a. m.

Es könnten aber auch weniger spektakuläre Ereignisse gewählt werden.

Die Auswahl eines solchen Datums, das alle Menschen irgendwie betrifft, hängt dann auch ab, von der Zielstellung des kollektiven Tagebuches. Will man z. B. des Kriegsendes gedenken, will man über erste große Umweltkatastrophen nachdenken, will man sich der Bedeutung der Forscher und Astronomen usw. erinnern, will man über das alte und neue ideologische System Betrachtungen anstellen usw.

Ebenso könnte ein Datum ausgewählt werden, das sich durch seine Zahlenstellung besonders hervorhebt. Gemeint sind damit z. B. die sog. „Schnapszahlen“ wie der 12.12.2012 – dies war z. B. die Entscheidung des TEA Berlin, das am 07.07.2007 mit dem kollektiven Tagebuch startete.

Und es könnte ein wahllos gewählter Tagebuch-Schreibtag sein, nach dem Zufallsprinzip. Dieser könnte per Los gezogen, per Zuruf entschieden oder nach Kalenderblatt gewählt werden.

Und man könnte sich, ganz individuell, für das Geburtsdatum des Tagebuchschreibers entschieden.

Sicher gibt es noch weitere Möglichkeiten, einen Zeitraum, ein Datum für das kollektive Tagebuch zu finden – hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Ich selbst habe mir z. B. mal die Jahrtausendwende – das Jahr 2000 – gewählt, um diese 365 Tage schriftlich festzuhalten. Wenn solch ein besonderes Zahlen-Datum-Ereignis vorliegt, kann man schon langfristig seine Tagebuchschreiber darauf orientieren.und vorbereiten. Bei längeren Datenvorgaben und Schreibabschnitten besteht jedoch leider die „Gefahr“, dass nicht alle Tagebuchschreiber auch wirklich so lange durchhalten.

Was unterscheidet das individuelle Tagebuch vom kollektiven Tagebuch?

Zuerst einmal Nichts!

Beide Formen sind und bleiben „individuell“.

Sie werden ja erst dann zum „kollektiven“ Tagebuch wenn sich mehrere oder viele Menschen an einem bestimmten Tag, zu einem bestimmten Zeitabschnitt schreibend äußern.

Entscheidend ist es, zu welchem Zweck ein solches kollektives Tagebuch geschrieben wird. Da es „kollektiv“ ist, trägt es auch einen kollektiven Charakter. Und aus dem kollektiven Charakter lassen sich wiederum individuelle Verhaltens- und Denkweisen ableiten, die sowohl für die Soziologen, für die Ethnologen und die Historiker  von besonderer Bedeutung sein können, da sie Einsichten in den Alltag von Menschen in einem bestimmten Zeitabschnitt zu geben vermögen, woraus diese dann ihre wissenschaftlichen Schlussfolgerungen ziehen können.

Walter Kempowski hat sich z. B. mit einem solchen großen kollektiven Tagebuch versucht. Aus vielen Tagebüchern einer vergangenen deutschen Zeit hat er Beispiele gesammelt und zu einem Dokument verarbeitet. Ein Zeitbild wurde damit geschaffen, von großer Bedeutung. Aber, es wurde nachträglich zusammengestellt, aus vielen kleinen und größeren Tagebuch- und Erinnerungstexten. Von Anbeginn war hier kein kollektives Schreiben die Voraussetzung.

So ist das kollektive Tagebuch eine andere – vielleicht sogar neue Form, dem Tagebuch seine wahre Bedeutung in der heutigen Zeit zuzuschreiben.

Das gezielte Miteinander sollte die Grundlage für das kollektive Tagebuch der Zukunft bilden. Es vermag Menschen eines Landes, Menschen verschiedener Sprachen und Religionen zusammenzuführen und so vielleicht dem Frieden, der wahren Demokratie und Harmonie auf der Welt voran zu helfen.

Den jeweils aktuellen jährlichen Aufruf zum kollektiven Tagebuch finden Sie unter Schreibaufrufe.

 

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