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Treptower Schreibwerkstatt



20 Jahre Treptower Schreibwerkstatt (TSW) 1993 – 2013


So ein Datum lässt zurückblicken, denn da ist etwas aus „kleinen Kinderschuhen in erwachsene Größen“ hineingewachsen.
Nur wenige Jahre nach der politischen Wende erhielt Karin Manke die Möglichkeit, nach Auflösung ihrer vorherigen Arbeitsstelle, ins neu gegründete Heimatmuseum Berlin-Treptow aufgenommen zu werden. Die Herausforderung lag nicht nur auf ihrer Seite, galt es doch ein
gewaltiges Stück Regionalgeschichte eines Berliner Stadtbezirkes mit acht Ortsteilen aufzuarbeiten.

Die Zeitzeugen – wie man sie jetzt nannte – warteten nur darauf über ihr Leben,
ihre bisherige Arbeit, ihre Verbindung in die Vergangenheit ihres Wohngebietes erzählen zu
dürfen.

Karin Manke begründete das ERINNERUNGSTREFFEN an zwei Örtlichkeiten, einmal in Johannisthal und einmal in Adlershof. Gleichzeitig gründete sie auch die TREPTOWER SCHREIBWERKSTATT. Am ersten Treffen nahmen fünf Personen teil. Die damalige Museumsleiterin sowie die Stadträtin für Kultur unterstützen sie. Menschen aus dem Stadtbezirk wurden nun vor allem ins alte Rathaus von Johannisthal gelockt. Das Museum zeigte nicht nur seine Regionalgeschichte, es wurde auch, für viele Jahre zum Sozial- und Kommunikationszentrum des Bezirkes.

Es waren zwei Interessengruppen, die Karin Manke nun begleitete und anleitete. Auf der einen Seite die Bürger, die davon erzählten, was  war und wurde; auf der anderen Seite die Bürger, die Gleiches aufschrieben. Unter Anleitung und diversen Themenanregungen fand ein intensives Erinnern statt.

Immer mehr Menschen zog es nach Johannisthal. Der Fundus im Museum wuchs. Man öffnete nicht nur die Herzen, sondern sogleich auch die Schränke, worin lang Verborgenes (auch bisher Verbotenes) aufbewahrt wurde. Und es wuchsen, in den ersten 10 Jahren nach der Wende, die Menschen zusammen – Ost und West – aus ganz Berlin kam man nun zum kreativen Schreiben, das sowohl schreibtechnische Anregungen vermittelte aber auch autobiografisches Schreiben anbot.

Lesungen und Zeitzeugentreffen wurden organisiert; eine Gesprächs-Sendereihe im „Offenen Kanal“ Berlin aus der Taufe gehoben; 35 solcher 30ig minütigen Live-Fernsehproduktionen liegen heute vor und über 15 Anthologien zu verschiedenen Themenbereichen wurden
publiziert.

Nach den ersten 10 Jahren bekam die Treptower Schreibwerkstatt ihre Sonderausstellung im Treptower Rathaus. Die Schreib- und Erzähl-Gruppenarbeit dehnte sich noch weiter aus, jetzt auch in andere Berliner Bezirke und ins Umland (so in Friedrichshain, in die Orte Wendisch Rietz und Bad Saarow in Brandenburg sowie nach Schöneberg und Steglitz). Eine nicht mehr aufzuhaltende Schreib- und Erinnerungsbewegung hatte sich entwickelt und hatte inzwischen (ab 2001) auch die Insel Hiddensee erreicht.

Mit den Menschen – es müssen mehrere Hunderte gewesen sein, denn keiner hat sie gezählt – wuchs aber auch der schriftliche Bestand (Dokumente aus vergangener Lebenszeit sowie Textsammlungen vieler, vieler AutorInnen.). Und es wurden die eigenen Grenzen überschritten.

Kontakte deutschlandweit nahmen zu und durch die im Jahre 2004 begonnenen Europa-Projekte erstreckten sich die Begegnungen über die Landesgrenzen hinaus. Weitere Veröffentlichungen waren die Folge, die wiederum neue Interessenten hinzukommen ließen. Irgendwann überstieg das alles die eigentlichen Interessen und auch finanziellen Möglichkeiten eines „kleinen“ Berliner Heimatmuseums.

Ein weiterer Entwicklungssprung in die Zukunft wurde notwendig. Dieser setzte u. a. ein mit der Herausgabe einer Anthologie-Reihe „Zu Wahrheiten vereint“, die der Beggerow Buchverlag herausgab.

Hier waren AutorInnen aus Ost und West vereint in einem Band erschienen – woraus inzwischen (in 2013) vier Bände geworden sind.
Das angewachsene, umfangreiche Dokumentationsmaterial – bestehend aus den Texten der Autoren, den diversen Veröffentlichungen und all den übergebenen Lebensdokumenten und Erinnerungsmaterialien – erforderte nun mehr Raum, mehr Beachtung und zwang zur fachgerechten Erfassung und methodischen Aufarbeitung.
Das war allein nicht mehr zu bewältigen.

Ein Verein wurde ins Leben gerufen. Dieser erhielt den Namen: TEA – Tagebuch- und Erinnerungsarchiv Berlin e.V. und wurde mit dem Status der Gemeinnützigkeit versehen.

Hinzu kam, dass der Verein verbindlich seinen eigenen „Haus- und Hofverlag“ erhielt, das regelmäßig europaweite Schreibaufrufe erfolgten, das man das „Kollektive Tagebuch“ (im Jahr 2007) ins Leben rief und sich der Wiener Initiative TAGEBUCHTAGe anschloss, die nun schon zum zweiten mal (in Berlin und nun auch in Brandenburg in 2013) stattfinden werden.

TEA ist längst mit vielen gleichgesinnten Einrichtungen vernetzt und hat Kooperationsvereinbarungen mit anderen Vereinen.

Das TEA ist zu einer lebendigen Einrichtung, nicht nur im Stadtbezirk Treptow-Köpenick geworden; wird von einem Wissenschaftlichen Beirat begleitet und beraten, und schon jetzt steht der Verein vor dem (momentan) größten Problem: die vorhandenen und bereits angekündigten Materialien, nicht mehr unterbringen zu können. Neue Räume müssen her.

Nach den großen Vorbildern in Pieve St. Stefano in der Toskana und in Emmendingen (Baden-Württemberg) möchte auch das TEA Berlin seinen Beitrag zur Bewahrung und Erhaltung der Erinnerungskultur beitragen, dafür braucht es weitere kreative Mitstreiter und fördernde Interessenten.

Und alles begann einmal 1993!

Berlin im Juli 2013
gez.
Karin Manke-Hengsbach
(Vorsitzende)

DOWNLOAD als PDF

 

Schreibkurs und Archivtage 1. Halbjahr 2017

 

Schreibwerkstatt für pflegende Angehörige 
 

Veröffentlichungen von Wilfried Andreas Faust

 

 

Beitrag zum TSW-Jubiläum von Margot Gruner im Wortspiegel 3/2014
  

Rückblick in Bildern auf die Treptower Schreibwerkstatt (TSW) 1993-2008


Fotos vom 20. TSW-Jubiläum im Dezember 2013

 

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